Eine der Exkursionen führte die Studenten des Kurses „Gestaltung und Design von Nachwachsenden Rohstoffen“ in den Straubinger Hafen.

Eine der Exkursionen führte die Studenten des Kurses „Gestaltung und Design von Nachwachsenden Rohstoffen“ in den Straubinger Hafen.

Gestaltungs-Modul gibt Studierenden am Wissenschaftszentrum Straubing Raum für Kreatives

Neben den vielen wissenschaftlichen Inhalten können sich Studierende am Wissenschaftszentrum Straubing auch kreativ betätigen. Zusammen mit ihrem Dozenten, dem Künstler Max Messemer, geht es in der Lehrveranstaltung „Gestaltung und Design von NawaRo“ darum, sich mit neuen Perspektiven, Sichtweisen und Horizonten zu beschäftigen – zum Beispiel mit Besuchen in Stadtverwaltung, Hafen, Gründerzentrum und Kläranlage.

Nachwachsende Rohstoffe können ein hartes Brot sein: Für die Studenten des gleichnamigen Bachelorstudiengangs am Wissenschaftszentrum Straubing stehen Fächer wie Biochemie oder Thermodynamik und Wärmelehre auf dem Stundenplan. Doch im dritten Semester, zwischen Finanzwirtschaft und Verfahrenstechnik, können sie auch das Modul „Gestaltung und Design von Nachwachsenden Rohstoffen“ wählen. Und das ist irgendwie völlig anders.

„Das Modul stellt einen guten Ausgleich zu den restlichen Modulen dar, die sehr wissenschaftlich sind, aber nie gestalterisch oder kreativ“, sagt einer der 14 Teilnehmer. „Wir kommen in eine Branche rein, in der wir dann unter Umständen auch etwas Neues versuchen werden müssen und selbst Projekte haben werden.“ Und was kann man hier lernen? „Wie man ein Projekt aufzieht und wie man gut diskutiert.“

Zum dritten Mal hat Max Messemer in diesem Wintersemester das Gestaltungs-Modul geleitet. Messemer ist kein Wissenschaftler. Der 2003 lebt er in Straubing, und spätestens, seit er 2015 als Kunstprojekt an einem nebelverhangenen Dezembertag zwischen die Alleebäume im Industriegebiet Straubing- Sand Leinen gespannt und 6000 Plastikkleiderbügel drangehängt hat, ist er stadtbekannt. Irgendwann ist Messemer auf das Wissenschaftszentrum gestoßen.

„Das hat mich einfach fasziniert“, sagt er selbst. „Ich meine, dass das ganz gut ist, wenn man ein bisschen wegkommt vom sehr konzentrierten wissenschaftlichen Arbeiten.“ Gestaltung lebt schließlich davon, immer wieder andere Blickwinkel einzunehmen. „Wir sind ständig in Bewegung gewesen“, bilanziert Messemer. Stadtverwaltung, Hafen, Gründerzentrum, Kläranlage: Seine Studierenden haben Orte in der Stadt besucht, die auch viele Straubinger nicht kennen. Der Gestaltungs-Kurs hat Projektcharakter. So zum Beispiel haben die Studenten Mitte November rund um die Statue des Bruder Straubinger am Steiner-Thor-Platz in der Straubinger Innenstadt eine Lichtinstallation aus Kerzen entworfen und zusammen mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen aufgebaut. Die Lichter stellten acht Menschen dar, die einander an den Händen halten, und waren Teil der bundesweiten Solidaritätsaktion „Eine Million Sterne“.

Am Ende des Moduls, das zum ökonomischen Zweig des Bachelorstudiengangs zählt, aber auch für Studierende anderer Schwerpunkte offen ist, steht statt einer Prüfung ebenfalls ein Projekt.

„Wir haben bemerkt, dass die Straubinger gar nicht wissen, was man hier studieren kann“, erzählt Sophia Cunradi, eine der Teilnehmerinnen. Messemer will noch nicht zu viel über das Projekt verraten, aber so viel ist sicher: Es soll ein Objekt im öffentlichen Raum der Stadt Straubing entstehen, das auf das Wissenschaftszentrum und nachwachsende Rohstoffe aufmerksam macht. Für Messemer ist es nicht der erste Job als Lehrbeauftragter. Er hat schon in München an einer Berufsschule unterrichtet und dann in Straubing im Gestaltungs-Zweig der Fachoberschule. „Dieser Kreis spinnt“, sagt er über seine Studenten: „Im positiven Sinne.“ Das ist ein Lob, denn Spinnen gehört für Messemer zu Kunst und Kreativität dazu. „Hier soll man spinnen.“

Quelle: Straubinger Tagblatt, 21. Januar 2017
Foto: Messmer